Ich glaube an Gott

Liebe Gemeinde!

Ich glaube an Gott.
Schon so lange, wie ich denken kann.
Ich habe von Gott kein konkretes Bild im Kopf.
Wohl aber eine Vorstellung von Eigenschaften, die ich mit Gott verbinde, die gespeist ist aus den Erzählungen der Bibel und aus Erfahrungen von Menschen.

Das „Gesicht“, das ich mit Gott verbinde, ist Jesus.
In Gottes Wirken unter uns Menschen erkenne ich den Heiligen Geist. Wenn ich im Glaubensbekenntnis meinen Glauben an diesen dreieinen Gott ausspreche, dann bekenne ich mich zu einem Gott, der liebend ist. Befreiend. Barmherzig, versöhnend und weitherzig.
Gott, der schöpferisch ist und gerecht in einer Weise, die tiefer geht, als unser Menschenverständnis es fassen kann. Ich bekenne einen Gott, bei dem ich mich geborgen fühle, weil ich mich darauf verlasse, dass Gott nicht kleinlich auf Fehler schaut, weil Gott mich genau so will, wie ich bin, und mir zur Seite steht, egal, welche Irrwege ich auch noch gehen mag.
Wenn im Glaubensbekenntnis die Stelle kommt: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche“, geht mir dieses Bekenntnis derzeit jedoch deutlich schwerer über die Lippen.

Ich wünsche mir eine Kirche, in der ich Gott und Gottes Eigenschaften entdecken kann. In der Menschen mit Gott vertraut werden, indem sie Menschen begegnen können, die so handeln, wie sie es von Gott, von Jesus Christus gelernt haben. Nur eine Kirche, die Menschen befreit, annimmt und liebt, nur eine Kirche, die versöhnlich mit Menschen umgeht, die zutiefst gerecht ist und die eine große Fantasie und Offenheit hat für alle Geschöpfe, erfüllt in meinen Augen ihre Aufgabe.
Dass ich heute als Seelsorgerin arbeite, hat damit zu tun, dass ich – auch in dieser Kirche – vielen Menschen begegnet bin, die genau das tun und getan haben.

Die Prozesse der vergangenen Wochen aber haben einmal mehr deutlich gemacht, dass die katholische Kirche in ihrer Struktur tiefe Abgründe aufweist, in denen ich Gottes Eigenschaften vergeblich suche.
Gerechtigkeit. Barmherzigkeit, Demut. Liebe. Vieles, was in den letzten Wochen die Schlagzeilen beherrschte, lässt die Frage offen: Wo ist denn Gott in dieser Kirche?
An manchen Stellen, z.B. im Synodalen Weg, kommt gerade etwas in Bewegung, weil viele Menschen diese Frage stellen.
Und so wünsche ich mir, dass wir gemeinsam so Kirche sein können, dass Gott darin erkennbar wird, ohne dass man lange suchen muss.
Dafür müssen wir auf keinen Bischof warten.
Fangen wir einfach damit an.
Heute.


Mit hoffnungsvollem Gruß,
Stephanie Dormann

Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 7

scroll to top