Pfingsten

 Liebe Gemeinde! 

An der Situation der Jünger zu Pfingsten sprach mich bisher der Teil, in dem sie in allen Sprachen von Jesus erzählten und von allen verstanden wurden, besonders an. Für eine, deren täglich Brot es ist, Menschen von Jesus zu erzählen, in der Hoffnung, dabei zu helfen, dass sie eine Beziehung zu ihm aufbauen oder vertiefen können, ist das sehr motivierend. 

Mit Blick auf die letzten zwei Jahre, berührt mich jedoch die Ausgangssituation der Freund*innen Jesu aktuell mehr: Sie sitzen bei verschlossenen Fenstern und Türen in einer Art von Quarantäne. Sie sind angsterfüllt, traurig und enttäuscht – vielleicht durch alles, was geschehen war, sogar traumatisiert. Wir, als Kirche, tragen auch so viel Unsicherheit und Angst, Trauer und Trauma mit uns. Die einen wollen, dass Kirche so bleibt, wie sie immer war, die anderen wollen eine komplette Erneuerung, die meisten wollen gar nichts mehr mit der Kirche zu tun haben. 

Wir durchleben das Trauma himmelschreienden Unrechtes, das in der Kirche passiert ist und passiert. Zwei lange Corona-Jahre haben uns voneinander isoliert – nur langsam kommt das Leben auch in den Gemeinden wieder in Gang und alle fragen sich, wie und ob es werden wird. 

Wenn ich in diesem Jahr Pfingsten feiere, werde ich mich mit den Jüngern in ihrem dunklen Zimmer gut identifizieren können. 

Und wenn aber dann davon erzählt wird, wie der Heilige Geist durch das Zimmer fegt, Angst und Trauer wegbläst, die Herzen brennen lässt und einen mutigen Neuanfang möglich macht, dann will ich meine Hoffnung und meine Aufmerksamkeit genau darauf legen: Mutiger Neuanfang, begeistert und begeisternd, – im Vertrauen auf einen himmlischen Beistand, der uns in die Lage versetzt, das Unerwartete und Unmögliche selbst zu tun! 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein ermutigendes Pfingstfest!

Ihre Stephanie Dormann 
Pastoralreferentin

Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 22  

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