Mittendrin. Leben mit Demenz

Woche für das Leben 2022

Wenn die Lebensbibliothek durcheinandergerät…

So ähnlich kann man beschreiben, was in einer Demenzerkrankung passiert.

Aus der reichhaltigen Büchersammlung des Lebens fallen einzelne Bücher aus dem Regal und gehen verloren (die „Neuanschaffungen“ zumeist zuerst), andere geraten an einen anderen Platz – und das in einem fort-schreitenden Prozess.

Was trägt in diesem Durcheinander?

Die Frage stellt sich in der diesjährigen WOCHE FÜR DAS LEBEN. Seit fast 30 Jahren machen die christlichen Kirchen in Deutschland auf einen Aspekt im weiten Themenfeld „Leben“ aufmerksam. In diesem Jahr steht die Woche vom 30.4. bis 7.5. unter dem Gedanken: Mittendrin – Leben mit Demenz.

In meiner Arbeit in den beiden Caritas-Häusern St. Hedwig und St. Josef begegne ich vielen Menschen, die sich dementiell verändern. Sie laden mich ein, mit in ihre ganz eigene Welt einzutreten.

Eine Welt, in der sie selber bspw. jung sind;

eine Welt, in der meine Logik völlig falsch am Platz ist.

Eine Welt voller Sorgen und Verunsicherung – aber auch eine Welt voll von Leichtigkeit und sichtbarer Freude.

Menschen, die gläubig waren, sind es auch als dementiell Erkrankte. Alte, vertraute Lieder und Gebete, der Klang der Orgel und das Glockengeläut schenken ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Bekannte Worte aus Gebeten oder Bibeltexten tun gut und schenken Sicherheit und Halt.

Vielfach trauen Angehörige sich nicht mehr, ihre von dieser Krankheit Betroffenen mit in unsere Gottesdienste zu bringen – aus der Sorge heraus, sie könnten unruhig werden und umhergehen oder an unpassenden Stellen sich äußern.

Gerne würde ich Ihnen die Sorge nehmen, weil ich mir wünsche, dass für alle Menschen, die Glauben und Leben feiern möchten, Platz in unseren Gottesdiensten ist.

Sollten Sie aber ein zusätzliches, spezifisches Angebot in St. Josef vermissen, melden Sie sich gerne im Pfarrbüro. Das Seelsorgeteam möchte auf entsprechende Anfragen reagieren und dann ein besonderes Gottesdienstangebot ermöglichen.

Nicole Coenen, Seelsorgerin in den Caritas-Häusern St. Hedwig und St. Josef

Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 17

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