Evangelium: Das Doppelgebot der Liebe (Mt 22,34–40)
Wir neigen dazu, die Dinge kompliziert zu machen. Es gibt hunderte Gesetze, Verordnungen und kirchliche Vorschriften. Die Gelehrten zur Zeit Jesu hatten 613 Gebote und Verbote. Man verliert leicht den Überblick. Deshalb fragen sie Jesus: „Welches ist das wichtigste?“ Jesus antwortet mit einer Zusammenfassung, die alles enthält, keinem Paragraphen:
Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst.
- Die vertikale und die horizontale Linie Stellen Sie sich ein Kreuz vor. Der vertikale Balken zeigt nach oben: Die Liebe zu Gott. Ohne diese Verbindung sind wir wie eine Lampe ohne Strom. Der horizontale Balken zeigt zu den Menschen: Die Liebe zum Nächsten. Ohne diese Erdung ist unser Glaube nur eine egoistische Wohlfühl-Blase. Beides gehört zusammen. Wer sagt, er liebe Gott, aber seinen nervigen Nachbarn ignoriert, der lügt. Und wer nur „sozial“ ist, aber die Quelle der Liebe (Gott) vergisst, brennt irgendwann aus.
- Die vergessene Liebe: „Dich selbst“ Oft überhören wir das Ende des Satzes: „…wie dich selbst“. Du kannst andere nicht gesund lieben, wenn du dich selbst ständig fertig machst. Geben aus Liebe heißt hier auch: Gütig mit sich selbst sein. Gott liebt dich mit all deinen Rissen (wir erinnern uns an das Kintsugi). Wenn du dich selbst annimmst, hast du erst die Kapazität, den anderen wirklich zu sehen.
Ein Gedanke für die Woche: Du brauchst kein Theologiestudium, um Gott zu gefallen. Frag dich bei allem, was du tust: „Ist das gerade liebevoll – gegenüber Gott, meinem Nächsten und mir selbst?“ Wenn ja, bist du auf dem richtigen Weg.
- Daran hängt das ganze Gesetz Jesus schließt: „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Nichts, was wir über Gott glauben oder tun, steht außerhalb dieser doppelten Liebe. Sie ist der Maßstab für alles andere.
Klaus Bruns, Pastoralreferent
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 44.2026