„Ankündigungsweltmeister“ oder „stille Macher“? – Wo Worte und Taten sich treffen

Die ungleichen Söhne (Mt 21,28–32)

Wir alle kennen diese Momente. Man nimmt sich fest vor:
„Ab morgen gehe ich joggen!“ Oder: „Ab nächste Woche rufe ich meine Tante wirklich mal an!“ Wir sind Weltmeister im Planen. Unsere Kalender sind voll von guten Absichten. Aber dann regnet es, oder die neue Serie auf Netflix ist zu spannend, und die gute Absicht landet im digitalen Papierkorb. Jesus stellt uns heute zwei Söhne vor. Der eine sagt:
„Nö, hab keine Lust“, bereut es aber und geht doch in den Weinberg.
Der andere sagt: „Ja, Vater, sofort!“, und legt sich dann wahrscheinlich wieder schlafen. 1. Die Falle der „frommen Fassade“ Der zweite Sohn ist der Klassiker der religiösen Welt.
Er weiß genau, was man sagen muss. Er kennt die richtigen Vokabeln. „Herr, Herr“, sagt er. Aber sein Herz ist nicht im Weinberg, sondern auf dem Sofa seiner Bequemlichkeit. Wie oft sind wir dieser zweite Sohn? Wir singen Lieder über die Liebe, aber im Supermarkt an der Kasse verlieren wir bei der langsamen Kassiererin sofort die Geduld. Wir unterschreiben Petitionen für den Klimaschutz, aber die Lavendelseife muss unbedingt in dreifach Plastik verpackt sein. 2. Der Mut zum „Zweiten Blick“ Der erste Sohn ist spannender. Er ist ehrlich. Er sagt erst mal „Nein“. Vielleicht war er sauer, vielleicht war er müde. Aber dann kommt der Bruch – wie bei der Teekanne in unserem Beispiel. Er überlegt es sich anders. Er lässt die Hülle seines Egoismus fallen und geht arbeiten. Jesus sagt uns hier: Gott ist es egal, wie du startest. Ihn interessiert, wie du ankommst. Er liebt die Umkehrer mehr als die Dauerlächler. Er liebt Menschen, die den Mut haben, ihre Meinung zu ändern, weil die Liebe sie gerufen hat. 3. Taten, die tragen Geben aus Liebe statt aus Pflicht heißt: Nicht das „Ja“ zählen, sondern den Schritt in den Weinberg. In der Adventszeit oder im Alltag sind es die kleinen Dinge: Die Nachricht an den Freund, die man seit Monaten aufschiebt. Das ehrliche Zuhören, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat. Ein Gedanke für die Woche: Gott sucht keine Leute, die das perfekte Gebetbuch im Kopf haben, sondern Leute, die bereit sind, sich die Hände schmutzig zu machen. Seien wir diese Woche lieber der Sohn, der erst „Nein“ gesagt hat, dann aber mit vollem Herzen dabei ist. Denn Gott liebt ehrliche Arbeit mehr als schöne Sprüche. 

Klaus Bruns, Pastoralreferent

Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 40.2026

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