Liebe Lesende unseres Wochenbriefes,
nichts ist einfacher, um die Tage des 3.10. (Deutsche Einheit), des Erntedanksonntags und des 800. Todestages des hl. Franziskus zusammenzufassen in dem Lied, das der hl. Franziskus in den Jahren 1225 und 1226 geschrieben hat. Sein Sonnengesang entstand nicht als er gesund und heiter war, sondern als er von Krankheit geplagt war (Strophe 1 – 6), als er einen großen Streit unter Klerikern schlichten wollte (Strophe 7 und als er spürte, dass er 43jährig sterben wird (Strophe 8). Sein Gesang hat den Streit beendet und ihn mit größtem Lebensdank erfüllt. Heute gehört sein altitalienisches Lied zur Weltliteratur. Nehmen Sie es einfach in den Mund, beten oder singen sie es und genießen Sie den Dank, der währenddessen in Ihnen aufsteigt. (Text im Gotteslob 19,2)
Pfr. em. Theodor Prießen
Höchster, allmächtiger, guter Herr, Dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
- Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, besonders dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz: von dir, Höchster, ein Sinnbild.
- Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und die Sterne. Am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und schön.
- Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Wind, für Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deine Geschöpfe am Leben erhältst.
- Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser. Sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.
- Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Feuer, durch den du die Nacht erhellst.
Und schön ist er und fröhlich und kraftvoll und stark. - Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.
- Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um deiner Liebe willen, und Krankheit ertragen und Not. Selig, die ausharren in Frieden, denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.
- Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig, die erfinden wird in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Lobet und preiset meinen Herrn und dankt und dient ihm mit großer Demut!
Aus: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), „Franziskus-Quellen“
© 2009 Edition Coelde in der Butzon & Bercker GmbH
Sprachlicher Hinweis: Die Ausdrücke „Bruder Sonne“, „Schwester Mond“ und „Schwester Tod“ wirken in der deutschen Sprache befremdlich; im Italienischen sind aber die Sonne männlichen Geschlechts und Mond und Tod weiblichen. Der Übersetzer Leonhard Lehmann hat den Text also wörtlich ins Deutsche übertragen.
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 41.2026