„Drama, Baby, Drama!“ – erinnern Sie sich noch an Bruce Darnell, der als Laufstegcoach an der Seite von Heidi Klum diesen Satz berühmt machte? Alles sollte ein bisschen theatralischer, aufregender und emotionaler sein. Aus einem flotten Spruch wurde ein Kultzitat.
Heute scheint es, als hätte dieses Motto die ganze Welt übernommen. Schon morgens beim ersten Blick aufs Handy springen uns die Dramen entgegen: Kriege, Krisen, Katastrophen, politische Streitigkeiten, Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft…. Die Nachrichten überschlagen sich im Wettlauf um das größte Unglück. Selbst die Wetter-App warnt inzwischen mit einem Warndreieck: Achtung, um 14 Uhr kommt ein Regenschauer! Es scheint, als müsse alles dramatisch sein, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu bekommen.
Vielleicht steckt in uns Menschen tatsächlich eine gewisse Neigung zum Drama. Es hält uns wach, erzeugt Spannung, lässt uns mitreden. Über schlechte Nachrichten sprechen wir oft schneller als über gute. Empörung verbindet. Wenn wir gemeinsam den Kopf schütteln können, entsteht sofort Gesprächsstoff.
Aber tut uns das gut? Während die Schlagzeilen von Krisen erzählen, geschieht gleichzeitig unendlich viel Gutes. Geniale Erfindungen machen Teile des Lebens einfacher und zeigen Lösungen für bedrohliche Probleme. Menschen kaufen für ihre kranke Nachbarin ein. Ehrenamtliche schenken Zeit gegen Einsamkeit. Kinder trösten andere Kinder, Jugendliche engagieren sich für ihre Überzeugungen. Pflegekräfte, LehrerInnen, Feuerwehrleute, Eltern und Großeltern tun Tag für Tag gerne ihren Dienst. Es wird geholfen, geteilt, gelacht und neu angefangen Das alles schafft es viel zu selten auf die Titelseiten.
Vielleicht brauchen wir in diesen Zeiten die bewusste Entscheidung, auch nach den guten Nachrichten Ausschau zu halten. Nach den kleinen Zeichen von Menschlichkeit. Nach dem, was gelingt und Hoffnung macht. Denn wer immer nur auf das Dunkle schaut, wird irgendwann glauben, die Welt bestehe nur noch aus Dunkelheit. Aber das stimmt nicht.
Nicht jedes Warnsignal verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Nicht jedes Drama muss unser Herz beherrschen. Gerade für uns Christen ist die Verkündigung von Hoffnung und Zuversicht Mitte und Herzensangelegenheit. Manchmal reicht es, den Blick zu heben und wahrzunehmen, was jeden Tag aufs Neue da ist: Freundlichkeit, Mitgefühl, Zusammenhalt und positives Denken. Es muss nicht immer „Drama, Baby, Drama“ sein.
Manchmal ist ein „Hoffnung, Baby, Hoffnung“ viel besser.
Gertrud Sivalingam, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 43.2026