Der heutige Misereorsonntag trifft auf eine Zeit, in der vieles ins Wanken geraten ist. Verlässlichkeiten, die uns lange getragen haben – politisch, gesellschaftlich, international – verschwinden. Regeln, die einst selbstverständlich waren, werden infrage gestellt. Gewissheiten bröckeln, und viele Menschen spüren eine wachsende Unsicherheit.
Dem stellt sich die Botschaft dieses Sonntags entgegen:
Wir stehen dem nicht machtlos gegenüber.
Misereor erinnert uns daran, dass Veränderung nicht nur in Parlamenten oder Konferenzräumen geschieht, sondern in Herzen, in Beziehungen, in kleinen mutigen Schritten. Wenn wir uns berühren lassen von der Not anderer, wenn wir uns bewegen lassen von Gerechtigkeit und Mitgefühl, dann entsteht eine Kraft, die stärker ist als jede Krise.
Solidarität ist kein abstrakter Wert. Sie ist eine Haltung, die Orientierung schenkt, wenn äußere Sicherheiten bröckeln. Sie ist ein Gegenentwurf zu Angst und Abschottung. Sie wächst, wenn wir hinhören. Sie wird stark, wenn wir teilen. Sie wird sichtbar, wenn wir Verantwortung übernehmen – für Menschen nah und fern.
Die Einladung dieses Misereorsonntags lautet: Lass dich bewegen – nicht von Angst, sondern von Hoffnung. Nicht von Unsicherheit, sondern von der Überzeugung, dass jeder Mensch Würde besitzt. Nicht von Resignation, sondern von der Gewissheit, dass unser Handeln zählt. Wir können die Welt nicht allein verändern, aber wir können beginnen. Und jeder Anfang ist ein Zeichen der Hoffnung.
Gertrud Sivalingam, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 13.2026