Liebe Gemeinde!
Mein Professor in Kirchengeschichte brachte einmal eine Liste von hochverehrten Reliquien mit. Darunter: Ein Stein, auf den Maria ihren Fuß stellte, als sie auf den Esel stieg, um nach Bethlehem zu reiten. Oder ein Tropfen Muttermilch von Maria.
Was uns Studierende sehr erheiterte, macht eines deutlich: von Maria gibt es keine Reliquien wie von anderen Heiligen, also Knochen oder andere Überreste. Warum?
Vor 1950 hatte die päpstliche Kommission überall in der Welt nachgefragt, ob irgendwo eine Marienreliquie verehrt wird, die vom Körper Mariens stammt. Als das nicht der Fall war, wurde anschließend von Papst Pius 1950 das Dogma von der unversehrten Aufnahme Mariens in den Himmel festgelegt. Die Mutter Jesu wurde, anders als andere Heilige, direkt und im Ganzen in den Himmel, aufgenommen.
Maria, der bescheinigt wird, dass sich schon selbst ohne Erbsünde empfangen wurde, die den Sohn Gottes in aller Jungfräulichkeit empfing und diesen besonderen Sohn bis in den Tod hinein begleitete,
ihr gebührt der besondere Platz im Himmel.
Mir imponiert Maria vor allem durch ihre Klarheit.
Ihre Entschiedenheit für Gott und ihr großes Vertrauen darin, dass Gott den richtigen Weg für sie kennt. So kann Maria ganz entschieden ihr „Ja“ sagen zu Gottes Plan. Und als sie kurz später bei ihrem Besuch bei Elisabeth ihr großes Loblied anstimmt, wird erneut deutlich: Sie ist kein braves Fräulein, das tut, was man ihr sagt, die sich nicht um die großen Fragen kümmert. Sie ist die, die ihren eigenen Wert kennt und die die großen Taten Gottes klar benennen kann. Sie weiß, dass Gott auf der Seite der Armen, der Schwachen und Hilfsbedürftigen steht.
Wenn ich am 15.8. Mariä Himmelfahrt feiere, dann denke ich nicht so sehr an die Frau, die von der Welt gerne auf einen Sockel gestellt wurde und als die ewig Liebliche und Milde verehrt wird – ich sehe eine moderne Frau, die Gott folgt, weil sie um Gottes Gerechtigkeit weiß.
In diesem Sinne,
ein gesegnetes Fest Mariä Himmelfahrt,
Ihre Stephanie Dormann, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 34/35.2026