Liebe Gemeinde!
Die Stiefel rausstellen und was Gutes erwarten. Als Kind war das Nikolausfest immer etwas Besonderes. Aufzuwachen, die Treppen herunterzustürmen und Nüsse, Mandarinen, Süßigkeiten und vielleicht ein kleines Spielzeug im Stiefel zu finden, war eine große Freude. Obwohl es nur Kleinigkeiten waren – das Ritual drumherum, machte das Kleine groß und besonders.
Heute sind meine Wünsche groß. Es sind Wünsche, die unsere Gesellschaft, unser Miteinander und unsere Erde betreffen.
Leider passt es in keinen Stiefel, wenn ich mir Frieden wünsche, oder ein Ende der Gewalt gegen Frauen, Gerechtigkeit für die Völker des Globalen Südens oder ein echtes Umdenken, um den Klimawandel zu stoppen.
Und oft habe ich das Gefühl, dass es für die Erfüllung dieser großen Wünsche auch die großen Lösungen geben muss, und ich selbst kann ja nichts tun, denn ich bin ja nur ein kleines Licht.
Der heilige Nikolaus hat oft Kleinigkeiten getan, und so das Leben von Menschen grundlegend verändert. Heimlich warf er zum Beispiel Geld durch das Fenster einer Familie, die keine andere Wahl mehr hatte, als die Töchter in die Prostitution zu verkaufen. Durch seine Gabe wurde den Mädchen dieses grausame Schicksal erspart.
Wir haben viele Rituale und Romantisierungen rund um den Nikolaustag, Für die Kinder finde ich das auch gut und richtig. Für uns als Erwachsene aber kann der Heilige Nikolaus die Ermutigung sein, dass wir mit den kleinen Gesten, zu denen wir fähig sind, dennoch Großes bewirken können. Wenn auch nur für einen einzelnen Menschen. Und gemeinsam geht es auch größer, so wie viele kleine Lichter ein großes wärmendes Feuer werden können.
Ein gesegnetes Nikolauswochenende,
Stephanie Dormann
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 50.2025