Liebe Gemeinde,
zu den Ostertagen wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen ein gesegnetes und veränderndes Fest, an dem Dunkel zu Licht wird.
In meiner Studienzeit in Münster durften wir Borromäer wöchentlich zur Kunstschwester Hedwiga in die Friedrichsburg gehen, um dort mit verschiedensten Materialien etwas zu gestalten. Auch Fensterbilder waren möglich und ich beschloss, vier Bilder zum Thema Geburt, Tod. Auferstehung und Himmelfahrt Jesu abstrakt zu erarbeiten. Nachdem das Weihnachtsbild fertig war, machte ich mich ans österliche Thema: der Kalvarienberg in violettem Glas, die fünf Wunden Jesu in roten Quadraten in kreuzförmiger Anordnung und dann, ja dann mitten in unserer Welt (grünes Glas) sollte die Auferstehung schon angedeutet werden. Doch ein „bisschen Auferstehung“ geht nicht. So wurde das Kreuz aus dem Kalvarienberg heraus in die offene gelbhelle, nach oben weit geöffnete Fläche getaucht. Ich war selbst überrascht: alle drei Themen waren bereits in einem Bild dargestellt. Nach zwei Bildern war der Zyklus Geburt bis Himmelfahrt bereits vollendet.
Gerne präsentiere ich hier dieses Fensterbild, weil es mich selbst immer noch nach 45 Jahren bewegt: dass Kreuzestod, Auferstehung und Himmelfahrt als ein Geschehen dargestellt werden kann, dass es eine Botschaft ist! Jesus erschließt uns durch den Tod und seine Auferstehung eine himmlische Perspektive für unser Leben. Dies ist die zentrale Aussage des Christentums: Hoffnung auf Erlösung ist es, was wir an Ostern feiern. Licht, dass nicht nur von unten nach oben aufsteigt, sondern Licht, dass auch von oben in die Dunkelheiten menschlichen Leben dringt.
Wenn auch der Osterhase vielleicht ein Bild dafür ist, dass er als einziges Geschöpf die Auferstehung gesehen hat, weil Hasen mit leicht geöffneten Augen schlafen, (um so schnell auf Gefahren reagieren zu können,) so hat er auch einen großen Nachteil: ein Hase kann niemandem von der Auferstehung erzählen. Anders damals in Jerusalem. Wenn auch die Jüngerinnen und Jünger nicht die Auferstehung gesehen haben, so haben sie doch den Auferstandenen gesehen. Als erste Maria Magdalena, die so zur Apostolin der Apostel wurde; dann die Apostel selber und Maria¸ dann die Emmausjünger und weitere Begegnungen mit dem Auferstandenen, 40 Tage lang.
Und: sie haben davon erzählt! So ist die Botschaft von der Auferstehung als wichtigste Verkündigung der Christen in die ganze Welt verbreitet worden und bis heute lebendig. Seien wir also keine stummen Osterhasen, sondern Erzählerinnen und Erzähler von der Botschaft der Auferstehung! Und seien wir auch keine Angsthasen, die sich ducken, sondern Beispiele gelebten Himmels auf Erden!
Zum Tod von Jürgen Habermas schrieb der ev. Bischof Christian Kopp: „Habermas hat alle Religionen daran erinnert, ihre Hoffnung auf Erlösung und ihre Sprache der Transzendenz nicht aufzugeben.“ (RP 16.3.2026)
Ostern ist die Zeit, vom auferstandenen Jesus zu erzählen, um die Dunkelheiten der Welt und der Menschen in das Licht des Neubeginns zu tauchen.
Pfarrer em. Theodor Prießen
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 15.2026.