Liebe Gemeinde,
Sommerzeit ist Gartenzeit – glücklich darf sich nennen, wer in diesen Tagen einen Garten mit schattigem Plätzchen sein Eigen nennen darf. Mein Garten ist klein und ein wenig wild und genau so mag ich ihn. Er macht Arbeit und Mühe, aber auch Freude und bringt immer wieder Überraschungen hervor. Und ich sehe in jedem Jahr wieder: einen Garten zu „haben“, bedeutet gleichzeitig, ihn nicht zu haben, denn nichts in einem Garten ist von Dauer. Er zeichnet sich aus durch Wachsen und Werden, aber im gleichen Maße auch durch Sterben und Vergehen – der Klimawandel tut das seine dazu.
Er ist zugleich Ort eigener Gestaltungskraft wie auch Geschenk Gottes, denn all meine Erfahrung zeigt: Allein meine Mühe gewährleistet noch lange nicht das Wachsen und Werden von Pflanzen und Blumen.
So ein Garten ist für mich ein Sehnsuchts- und Kraftort, ein bisschen wie das Leben selbst: er symbolisiert die Sehnsucht nach Lebendigkeit und Entfaltung in Schönheit und Fülle, nach Grünkraft und Harmonie, nach frischer Luft, Farbe und Duft, nach dem Rhythmus der Natur, aber auch das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit, Schutz und Geborgenheit. Ich liebe es, im Garten zu sitzen und das Ausschweifende der Natur auf mich einwirken zu lassen. An manchen Stellen schimmert das Paradies durch und in vielen Blumennamen schwingt ein sehnsuchtsvoller Grundton mit, Beständigkeit, Eintracht und Frieden auf Erden mögen doch bitte jetzt schon möglich sein: Tausendschön, Vergissmeinnicht, Glockenblumen, Schmuckkörbchen, Jelängerjelieber, Blausternchen…
In der Bibel spielt der Garten eine große Rolle. Er ist der lebensfreundliche Ort, in dem sich Leben entwickelt, aber auch gefährdet ist von vielfältigen Gefahren jenseits des Zaunes, und manchmal auch diesseits des Zaunes, also auch hier ein Bild für das Leben selbst. Am Anfang der Bibel steht das Paradies, jener Garten, den Gott als Lebensraum für den Menschen vorgesehen hat. Der aber eine unverfügbare Mitte hat. Und weil die Menschen danach trachten, geht ihnen das Paradiesische verloren. Und auch am Ende steht ein Garten: die Vision von dem endzeitlichen Garten Gottes, der dem Garten Eden gleicht und sich wiederum für den Menschen öffnet – nun aber für die Ewigkeit. Und dazwischen gibt es Bilder und Geschichten von Gärten und von Gott, der für die Menschen wie ein großer, fürsorglicher Gärtner ist.
Ich wünsche Ihnen einen wohligen Sommer mit Sonne, Regen und einem schattigen Plätzchen im Garten, das Kraft gibt und sich wie ein Zipfel vom Paradies anfühlt.
Gertrud Sivalingam
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 23.2026