Das ‚Hallelujah‘ klingt in mir noch nach, bekannt und doch neu. Beim ökumenischen Stadtkirchengespräch in der evangelischen Stadtkirche Moers gab der Theologe und Publizist Uwe Birnstein Einblick in das jüdisch-christlich geprägte Musik- und Glaubensleben von Leonard Cohen. Das ‚Hallelujah‘ ist weltbekannt und wurde bereits von unzähligen SängerInnen interpretiert – auch in meinem Chor gehört es zum Lieblingsrepertoire vieler.
Was mir neu war: Leonard Cohen hat für sein ‚Hallelujah‘ mehr als 80 Strophen getextet, bei Veröffentlichungen musste er entsprechend stark auswählen und kürzen. Viele Strophen weisen einen biblischen Bezug auf. Leonard Cohen fühlte sich der Bibel nahe. Er spürte, dass alles, was menschliches Leben, Lieben und Leiden ausmacht, dass auch jede seiner eigenen Lebenserfahrungen, ein Pendant in der Bibel hat.
Cohens ‚Hallelujah‘ ist kein Halleluja im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Lied über das Halleluja, das für ihn nicht nur aus Freude und Jubel entsteht, sondern ebenso aus Gebrochenheit und Schmerz. Er selbst sieht sich als jemand, der trotz Fehlern, Verlusten und Zweifeln ein Halleluja hervorbringt. Das ist ein ehrliches Bekenntnis zu den eigenen Ecken und Brüchen: Heiliges und Gebrochenes stehen nebeneinander und beide haben denselben Wert, denn beide gehören zum Menschsein dazu, weil das Leben selbst widersprüchlich ist.
80 Strophen, so viel – sollte man meinen. Aber dennoch viel zu wenig, denn wenn jede menschliche Erfahrung ihren Widerhall in einem Halleluja finden kann, dann schreibt jedes Leben auf der Welt seine eigene Strophe. Wie lautet Ihre Strophe für den heutigen Tag?
Gertrud Sivalingam, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 28.2026