Das Thema Pflege im Alter bewegt die Menschen in Kamp-Lintfort tief – das zeigte sich am vergangenen Montagabend ganz deutlich. Der Saal des Josef-Jeurgens-Hauses war gut gefüllt, als die Pfarrei St. Josef gemeinsam mit der Stadt Kamp-Lintfort, dem Amt für Soziales und Wohnen sowie der Betreuungsstelle des Kreises Wesel zu einem umfassenden Informationsabend einlud. Unter dem Titel „Pflege im Alter: Was passiert, wenn das Geld nicht reicht?“ erhielten Betroffene und Angehörige konkrete Antworten und wertvolle Orientierung.
Ein Thema, das unter den Nägeln brennt
In seiner Begrüßung fand Pfarrer Joachim Brune klare Worte für die spürbare Unsicherheit im Saal. Dass die Kirche die Türen für ein so weltliches, scheinbar bürokratisches Thema wie Pflegekosten und Sozialrecht öffnet, geschehe aus christlicher Überzeugung, betonte Brune. Mit Bezug auf ein biblisches Versprechen des Propheten Jesaja verdeutlichte er, dass die Solidargemeinschaft ein tragender Pfeiler sei.
Gleichzeitig nahm er die Besucher aber auch in die Pflicht: Zur christlichen Nächstenliebe gehöre untrennbar die Eigenverantwortung. Es sei eine Pflicht, rechtzeitig für das eigene Wohl vorzusorgen. Das mühsam Ersparte solle im Alter ein Leben in Würde sichern; das gesellschaftliche Netz fungiere als Rettungsring, wenn das Geld trotz aller Vorsorge einmal nicht ausreicht. Umso dankbarer zeigte sich der Pfarrer für die enge Kooperation mit der Stadt Kamp-Lintfort und den Fachdienststellen, die an diesem Abend Hand in Hand arbeiteten.
Im Anschluss übergab er das Wort an Mit-Gastgeber Dr. Christoph Müllmann, der die Gäste ebenfalls willkommen hieß, die Eigenverantwortung nochmals stark machte und auf kommende Herausforderungen hinwies.
Praxisnahe Impulse und konkrete Hilfen
Wie groß der Informationsbedarf im Alltag tatsächlich ist, zeigten die anschließenden zwei Impulsvorträge:
– Der erste Vortrag widmete sich direkt der Kernfrage, wie genau gerechnet wird und welche staatlichen Unterstützungsmöglichkeiten greifen, wenn Rente oder Vermögen die Kosten eines Pflegeheims nicht mehr decken.
– Der zweite Vortrag gab wichtige Impulse für alle, die so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben möchten, und beleuchtete die Betreuungsmöglichkeiten für eine verlässliche Pflege daheim.
Intensiver Austausch in Kleingruppen
Das Besondere und Herzstück des Abends war das anschließende Forum. In thematischen Kleingruppen öffnete sich der Raum für Austausch. An verschiedenen Thementischen standen die Expertinnen und Experten des Amtes für Soziales und Wohnen sowie der Betreuungsstelle des Kreises Wesel den Besuchern geduldig Rede und Antwort.
Die Gäste nutzten intensiv die Möglichkeit, flexibel zwischen den Tischen zu wechseln und individuelle Fragen zu drei großen Schwerpunkten zu stellen:
– Thema 1 (Stationäre Pflege): Finanzierung und Hilfen bei einer Unterbringung im Pflegeheim.
– Thema 2 (Pflege zu Hause): Unterstützungsmöglichkeiten für die Pflege in den eigenen vier Wänden.
– Thema 3 (Betreuung und Vorsorgevollmacht): Die rechtzeitige Regelung wichtiger rechtlicher Absicherungen und Dokumente.
Fazit und Ausblick
Der Abend hielt, was er versprach: Er bot den Bürgerinnen und Bürgern in entspannter Atmosphäre einen informativen und offenen Austausch zu Fragen, die sonst im Alltag oft so lange wie möglich verdrängt werden.
Sie haben den Termin verpasst? Wer nicht dabei sein konnte oder weiterführende, individuelle Fragen hat, kann sich für Unterstützung und Beratung weiterhin direkt an das Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Kamp-Lintfort wenden.