Liebe Gemeinde,
der Aschermittwoch hat uns gezeichnet. Das Aschenkreuz auf der Stirn ist ein ehrliches Eingeständnis unserer eigenen Vergänglichkeit. In einer Welt, die oft das Ewige im Materiellen sucht, erinnert uns dieser Tag: „Nichts auf dieser Welt währt ewig“.
Doch diese Erkenntnis soll uns nicht entmutigen, sondern befreien. Unser Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers erinnert uns in seinem Fastenwort 2026 daran, dass wir gerade jetzt – in einer Zeit des Umbruchs und der schwindenden Mitgliederzahlen – den Blick schärfen müssen.
Er benennt drei „Wüstenerfahrungen“, die uns auch heute herausfordern:
• Habsucht: Die Versuchung, krampfhaft an materiellen Strukturen und Gebäuden festzuhalten, auch wenn sie den lebendigen Glauben eher erdrücken als fördern.
• Eitelkeit: Der Wunsch, um jeden Preis beliebt zu sein und auf der
„Welle der Mehrheitsmeinung“ zu surfen, statt das Profil des Evangeliums zu zeigen.
• Macht: Die Gefahr, Einfluss und Hierarchie als Selbstzweck zu sehen,
statt in Demut zu dienen.
Die Fastenzeit ist die Einladung, diesen Ballast abzuwerfen.
Im letzten Jahr hatte unsere Caritas eine schöne Aktion: Caritas öffnet Türen. Dies war an unseren Kirchentüren zu entdecken. Ich wünsche uns, dass gilt: „Die Tür steht offen, das Herz noch mehr“. Es geht nicht darum, sich in der Sorge um die Zukunft einzuschließen, sondern im Vertrauen auf Gott den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen.
Wir laden Sie ein, diese 40 Tage als eine Reise zu nutzen. Nicht nur, um über den Verzicht nachzudenken, sondern um die Beziehung zu Jesus Christus zu vertiefen. Wenn wir trotz aller Veränderungen ein tiefes Gottvertrauen ausstrahlen, dann wird die Fastenzeit zu einem echten Weg auf Ostern zu.
„Porta patet, cor magis“ – lassen wir unsere Herzen in dieser Zeit
ein Stück weiter werden.
Joachim Brune, Pfarrer
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 10.2026