Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,
„Schwaches Buffet“ – diese zwei Worte in einem Protokoll ließen mich kürzlich stutzen. Unwillkürlich musste ich an Reinhard Meys Lied von der „Schlacht am kalten Buffet“ denken. Doch hinter dem Bild regte sich eine tiefere Frage in mir: Betrachten wir das Leben – und sogar unseren Glauben – immer öfter durch die Brille eines Gastes?
Das Buffet ist das Sinnbild einer Haltung, die nur fragt: Was bekomme ich? Ist es genug? Entspricht es meinem Geschmack? Es ist eine Haltung des Wählens, Richtens und Konsumierens.
Die Kontemplation ist das radikale Gegenteil dieses Buffets.
In der Kontemplation übe ich, die Welt eben nicht wie ein Kritiker am Buffet zu bewerten. Ich lerne, wertfrei wahrzunehmen, was ist – ob Freude oder Schmerz – und es sein zu lassen. Während das Buffet darauf abzielt, meine Bedürfnisse zu befriedigen, zielt die Kontemplation darauf ab, mich für die Gegenwart zu öffnen.
In meinem Alltag erlebe ich jedoch oft die „Buffet-Mentalität“: Eine zunehmende Tendenz zur Bewertung, oft aus einer negativen Erwartungshaltung heraus. Besonders schmerzlich empfinde ich dies im kirchlichen Raum. Wenn wir Liturgie und Gemeinschaft nur noch danach beurteilen, ob sie uns „etwas geben“, vollzieht sich eine besorgniserregende Verschiebung:
Unser Gottesbild schrumpft auf die Größe unserer Erwartungen.
Wenn der Bezug zur gelebten Liturgie – dem zweckfreien Feiern Gottes – schwindet, verblasst auch die spürbare Gegenwart Gottes. Er wird vom lebendigen Gegenüber zu einem abstrakten Prinzip, das man bei Nichtgefallen einfach „abbestellt“. Gott verschwindet aus dem Blickfeld, weil er in keinem Konsum-Schema Platz hat.
Ich wünsche uns allen, dass wir nicht beim vordergründigen „Buffet“ stehen bleiben. Jesus brauchte keine endlose Auswahl, sondern nur Brot und Wein, um die wichtigste Botschaft der Welt zu stiften: Gemeinschaft. Communio. Sein Versprechen lautet nicht: „Ich biete euch alles“, sondern: „Ich bin da.“
Mögen wir diesen Christus wieder neu und persönlich in unseren Herzen erfahren – jenseits von Bewertung und Konsum.
Ihr Joachim Brune, Pfarrer
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 04.2026