Die Sache mit dem Aufstehen

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schwestern und Brüder,

Beerdigungen gehören in unserer Pfarrei zum Alltag. So routiniert der Ablauf oft scheint, so herausfordernd bleibt das Kernthema unseres Glaubens: die Auferstehung.

Doch ich spüre immer deutlicher, wie sich die Sichtweise darauf verändert. Je mehr unsere Gesellschaft sich individualisiert und der Glaube zur Privatsache wird, desto mehr fühle ich mich wie der Apostel Paulus auf dem Areopag in Athen. Er sprach klug und fesselnd – bis zu dem Moment, als er die Auferstehung der Toten erwähnte. Da entgegneten ihm die gebildeten Griechen höflich, aber bestimmt: „Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ (Apg 17,32)

Kürzlich erlebte ich diesen „Areopag-Moment“ in einem Trauergespräch nach Ostern. Auf meine Bestätigung, dass ich selbstverständlich über die Auferstehung sprechen werde, entgegnete man mir besorgt: „Aber es sind Kinder dabei. Die sollen nicht fragen, wann der Verstorbene wieder aufsteht und hier herumläuft.“

Glaube braucht Substanz

Diese Sorge hat mich nachdenklich gemacht. Sie zeigt, wie sehr der Glaube oft an Substanz verloren hat. Wenn Auferstehung nur noch als „biologisches Wunder“ missverstanden wird, dass man Kindern lieber vorenthält, haben wir als Kirche eine Aufgabe: Wir müssen erklären, was wir eigentlich glauben.

Auferstehung bedeutet nicht die Rückkehr in dieses begrenzte, irdische Leben. Sie ist kein „Wiederaufstehen“, um hier weiterzumachen. Sie ist das radikale Vertrauen darauf, dass Gott uns über die Grenze des Todes hinaus birgt. Das Verharren in rein weltlichen Vorstellungen ist vielleicht ein Zeichen unserer Zeit – aber es greift zu kurz.

Mit „Osteraugen“ sehen lernen

Ich wünsche uns allen, dass wir mit Osteraugen, wie Bischof Hemmerle es formuliert, durch die Welt gehen. Das bedeutet:

  • Wahrzunehmen, dass Ostern kein historisches Ereignis der Vergangenheit ist, sondern sich heute in uns vollziehen will.
  • Herz und Verstand gleichzeitig für die Botschaft Gottes zu öffnen.

Die Evangelien und die Apostelgeschichte erzählen uns immer wieder: Der Glaube fällt nicht einfach vom Himmel. Er braucht die Auseinandersetzung, das Ringen und das Fragen.

Trauen Sie sich, nachzufragen! Wenn Ihnen Glaubenssätze fremd vorkommen oder Sie die „verantwortete Theologie“ hinter unseren Traditionen suchen, bleiben Sie nicht allein damit. Suchen Sie das Gespräch mit Menschen, die Sie auf Ihrer Suche nach der Wahrheit Gottes begleiten können.

Herzlichst Ihr Joachim Brune, Pfarrer

Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 20.2026

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