Liebe Gemeinde,
manchmal hilft nur noch umschalten. Von der gefühlt 1000ten Problemerörterungstalkshow hin zu einem alten Herzkinofilm mit Julia Roberts oder Cameron Diaz. Zu schwer wiegen die Probleme, die tagtäglich ungefragt zu uns ins Haus kommen.
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ – Welcher ermutigende Satz wäre wohl passender in diesen Tagen? Jesus spricht diesen Satz nicht aus einer heilen Welt heraus. Er sagt ihn in einer Nacht voller Abschiede, Fragen und Angst. Seine Jünger spüren: Vertrautes bricht weg, Sicherheiten geraten ins Wanken.
Auch wir leben in Zeiten, die Herzen verwirren können. Bedrohliche Weltlage, persönliche Unsicherheiten, gesellschaftliche Spannungen, Sorge um die Zukunft – vieles nimmt unsere Aufmerksamkeit in Beschlag und zerrt an unseren Kräften. Da wird das Herz unruhig, der Kopf voll, die Seele eng.
Jesus traut offensichtlich unserem Herzen mehr zu als dem Chaos,
das es umgibt. Seine Zusage meint nicht: Es gibt keinen Grund zur Sorge. Sie meint: Lass dich von der Sorge nicht beherrschen. Er lädt ein, das Herz immer wieder auszurichten: weg vom bloßen Reagieren, hin zum Vertrauen.
Was können wir tun, um uns von dem verwirrenden Geflecht schlechter Nachrichten nicht beherrschen zu lassen? Die einen entscheiden, sich öfter mal zu entziehen und nicht jede Nachricht zu lesen. Andere üben sich in der Stärkung von Resilienz und positivem Denken. Wieder andere regieren aggressiv und schlagen verbal um sich.
Mir persönlich hilft der Austausch mit anderen und das Spüren, nicht allein zu sein. Der Ermutigung Jesu möchte ich dabei gerne vertrauen. Mal gelingt es mehr, mal weniger. Vertrauen ist ja nicht einfach da,
es lässt sich nicht wie eine Lampe anknipsen. Ich glaube aber, Jesus weiß, dass Unruhe nicht auf Anordnung verschwindet. Darum bindet
er seine Ermutigung an Beziehung: „Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Das ist wie eine Einladung, den Ort des Herzens nicht den lauten und schlechten Nachrichten zu überlassen, sondern sich
immer wieder neu von ihm ansprechen zu lassen.
Gertrud Sivalingam, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 19.2026