Das ist natürlich eine eigenartige Frage. Als ob das Glauben etwas mit den Jahreszeiten zu tun hätte. Die Antwort muss dementsprechend lauten: Kaum! Man kann im Sommer nicht besser an Gott glauben – als im Frühling, Herbst und Winter.
Und trotzdem ist es bei mir so. Wahrscheinlich weil ich ein SommerMensch bin. Im Juli geboren; an einem heißen Tag, wie meine Mutter sagt. Hitze macht mir wenig aus. Ich verbringe meinen Urlaub gern am Meer und liebe nichts mehr als sonnengereifte Tomaten. Mir tut es gut, wenn es lange hell ist und ich am Abend noch im Freien sitzen kann. Und irgendwo zwischen all dem Sommerlichen finde ich dann und wann auch
Gott. Oft ist das zufällig, ohne dass ich eigens an ihn denke. Nicht zu einer bestimmten Zeit, in der ich bete oder in der Bibel lese. Es passiert einfach so.
Ich staune dann darüber, wie unglaublich es ist, dass auf unserer Erde, diesem winzigen Planeten in einem unscheinbaren Sonnensystem Leben entstanden ist. Wie das überhaupt sein kann im unvorstellbar großen Universum.
Ich habe in den Ferien endlich Zeit, um in Ruhe auf mich zu schauen, auf dieses kleine bisschen Leben, das ich bin, wie ich da meinen Platz gefunden habe. Und wie mein Leben mit den vielen anderen zusammenhängt. Um das anzusehen, brauche ich Ruhe und Zeit. Ich freue mich über das Schöne, dass die Sonne noch schöner macht: die Äpfel am Baum vor meinem Schlafzimmer, die Tag für Tag wachsen und mehr Farbe bekommen; die Nachbarskinder, die im kleinen Plastikpool
plantschen. Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit in mir, dass ich lebe. Es gab auch in meinem Leben ein Auf und Ab, schwere Zeiten und Probleme. Bisweilen musste ich kämpfen, und es war schwer. Aber alles in allem halte ich mich für ein Glückskind, weil es mir meistens gelingt, das Glas halbvoll zu sehen, nicht halbleer. Ich bringe mein Glück mit Gott in Verbindung. Ich bin IHM dankbar für alles. Und weil es mir im Sommer viel besser gelingt, dieses Glück zu spüren, spüre ich eben auch Gott in diesen Sommertagen mehr und besser als sonst das Jahr über. Gastbeitrag von Thomas Steiger, Tübingen
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 29.2026