Schwestern und Brüder im Herrn!
„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.“ Lk 10,41
Die Erzählung von Marta und Maria im Lukasevangelium – Lk 10,38–42 – ist sehr bekannt – vielleicht zu bekannt. Wir wollen versuchen, sie neu und unvoreingenommen zu hören.
Die Szene mit Maria und Marta wird oft als Gegenüberstellung von Aktivsein durch Marta und im Zuhören der Maria verstanden. Marta und Maria sind starke Frauen. Doch darüber hinaus vermittelt der Text eine zentrale Botschaft zur Gleichstellung von Mann und Frau.
Maria sitzt zu Jesu Füßen und hört ihm zu – eine Haltung, die damals Schülern – also Männern – vorbehalten war. Dass Jesus sie darin bestätigt und sogar lobt “Maria hat das Bessere gewählt”, ist revolutionär: Er anerkennt Frauen als gleichberechtigte Jüngerinnen. Sie werden als selbständig handelnde Menschen angenommen.
Marta repräsentiert die traditionelle Frauenrolle – Dienst im Haus –, während Maria eine neue Perspektive zeigt: das Recht von Frauen auf geistliche Bildung und Nachfolge. Jesus kritisiert Marta nicht wegen ihres Tuns, sondern weil sie in der Sorge darüber das Wesentliche – das Hören auf Gottes Wort – aus dem Blick verliert.
Jesus durchbricht kulturelle Grenzen und öffnet Frauen den Raum zur Jüngerschaft. Der Text ist ein starkes biblisches Zeugnis für die Gleichstellung von Mann und Frau im Glauben – mit voller geistlicher Würde und Berufung.
Maria hat den guten Teil gewählt – so die Worte Jesu!
Wo ist die Gleichstellung der Frau in der Tradition und im Heute in der römisch-katholischen Kirche?
Ihr Klaus Reinecke, Diakon
Auszug aus der Kirchenzeitung Nr. 29