Liebe Lesende unseres Wochenbriefes,
Jesus ist der Arzt, der unzählige Menschen von der Krankheit befreit hat, wie er im Evangelium des heutigen Sonntags Mt 9, 9-13 lapidar sagt: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken!“ Kann Jesus auch meine Krankheit heilen? Wie werde ich gesund? Etwas, das mir gut tut, davon möchte heute erzählen. Es ist ein altes Geistlied aus dem Jahr um 1200, das das Kranksein und das Gesundwerden zum Thema hat und das mir bei jedem Lesen und Beten tatsächlich Luft und Atem gibt. Es steht im Gotteslob Nr. 344. Gerne setze ich mich – wenn es mir schlecht geht – damit in eine Ecke. Dann werde ich erst einmal still, atme dreimal tief ein und aus und denke daran, dass Geist nicht nur im Bild der Taube und der Flamme sichtbar ist, sondern Geistkraft auch im Atem und im Wind spürbar wird.
Dann bete ich den Geisthymnus und meditiere die Bitten um Heilung mit tiefen Atempausen (Ausatmen zu abgeben und Einatmen zum Empfangen):
- Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.
Heile mich – nimm das Dunkle und schenke Licht!
- Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.
Heile mich – nimm meinen Blick von der Armut, ich bin reich beschenkt!
- Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not.
Heile mich – nimm die Einsamkeit, der Du in mir zu Gast bist!
- In der Unrast schenkst Du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.
Heile mich – nimm die Unruhe, schenke Ruhigkeit. Heile mich – nimm die Hektik, schenke einen kühlen Kopf. Heile mich – in die Bedrängnisse lege Trost.
- Komm, O Du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.
Heile mich – nimm die Leere, schenke Glückseligkeit bis ins Mark!
- Ohne Dein lebendig Wehen kann im Menschen nichts bestehen, kann nichts heil sein noch gesund.
Heile mich – nimm die Geistlosigkeit, schenke Geistesgegenwart!
- Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile Du, wo Krankheit quält.
Heile mich – nimm jegliche Schuld, schenke Barmherzigkeit! Heile mich – nimm die Trockenheit, schenke Aufbruch! Heile mich – nimm das Kranksein, schenke Gesundheit!
- Wärme Du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.
Heile mich – nimm die Herzenskälte, schenke eine Umarmung! Heile mich – nimm den Betonkopf, schenke Weiter – Denken! Heile mich – nimm die Seelenblindheit, schenke Umkehr!
- Gib dem Volk, das Dir vertraut, das auf Deine Hilfe baut, Deine Gaben zum Geleit.
Heile mich – nimm die Voreingenommenheit, schenke Synodalität! Heile mich – nimm die Abwehr, schenke Empfänglichkeit für Deine Geistesgaben!
- Lass es in der Zeit bestehen, Deines Heils Vollendung sehen und der Freuden Ewigkeit. Amen.
Heile mich – nimm die Langeweile, schenke Erkenntnis! Heile mich – in jedes Unheil schenke Dich mir als stetiges Heilmittel!
Mit dieser Pfingstsequenz und den Heilungsbitten wünsche ich Ihnen eine heilsame Erfahrung Jesu im Heiligen Geist und einen langen Atem,
Theodor Prießen, Pfarrer emeritus
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 24.2026