Der 23. August mag im Kalender wie ein ganz normaler Tag aussehen, doch liturgisch ist er dem Heiligen Philipp Benitius gewidmet. Er war ein bescheidener Mann, der sich dem Papstamt entzog – kein Witz, er hat es wirklich geschafft! Er versteckte sich, um dieser Verantwortung zu entgehen. Das mag uns heute vielleicht ein Schmunzeln abringen, aber es steckt eine tiefere Weisheit dahinter, die auch in den Bibelstellen des Tages anklingt.
Nehmen wir zum Beispiel die Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 9,1-6), wo es heißt: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht.“ Und im Evangelium nach Johannes (Joh 3,16-21) wird uns versichert: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
Was haben nun ein Papst-Vermeider und diese kraftvollen Bibelverse gemeinsam? Ganz einfach: Sie erinnern uns daran, dass wir nicht alles aus eigener Kraft stemmen müssen. Philipp Benitius lehrte uns auf seine charmant-versteckte Art, dass es manchmal klüger ist, die große Bühne anderen zu überlassen und sich auf das zu konzentrieren, wozu man wirklich berufen ist. Und die Bibel? Sie bekräftigt, dass das größte Licht, die größte Liebe und das ewige Leben uns geschenkt werden – wir müssen es nicht verdienen oder uns gar dazu zwingen.
In einer Zeit, in der wir ständig das Gefühl haben, mehr leisten, mehr sein, mehr erreichen zu müssen, ist das doch eine wahre Erleichterung, oder? Ein kleines Augenzwinkern an alle Perfektionisten und Workaholics: Vielleicht ist der Weg zum Licht nicht immer der, wo wir am hellsten strahlen, sondern der, wo wir uns einfach vom Licht finden lassen. Und manchmal, ganz manchmal, ist es die größte Leistung, mutig “Nein” zu sagen oder sich einfach mal geschickt aus der Affäre zu ziehen – nicht aus Faulheit, sondern aus der tiefen Erkenntnis, dass wir getragen werden.
Vielleicht können wir uns heute eine Scheibe von Philipp Benitius abschneiden und einfach mal etwas bewusster das “Nicht-Mehr-Müssen” praktizieren. Was würde sich dadurch in Ihrem Leben ändern?
Klaus Bruns, Pastoralreferent
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 33/34