Liebe Gemeinde,
irgendwann im November des letzten Jahres wurde ich unvermittelt mit meinem eigenen Tod konfrontiert. Als ich morgens die Haustür öffnete,
lag in meinem Vorgarten ein „Grabstein“ mit der Aufschrift „R.I.P.“,
wie man es auf Friedhöfen häufig liest. R.I.P steht dabei für das lateinische ‚Requiescat in pace‘ oder das englische ‚Rest in peace‘, zu Deutsch ‚Ruhe in Frieden‘. Ich musste erst mal schlucken, denn noch hoffe ich, dass die ewige Ruhe für mich in weiter Ferne liegt. Der ‚Grabstein‘ ließ sich dann auch schnell wieder zurückbringen an seinen Ursprungsort in Nachbars Garten. Denn die hatten, obwohl der November schon weit fortgeschritten war, ihren Vorgarten noch im Halloweenmodus geschmückt mit eben jenen Grabsteinen aus Styropor, die sich in stürmischer Nacht selbstständig gemacht hatten.
An den Tod, zumal an den eigenen, erinnert zu werden, fällt schwer.
Vor allem, wenn er mitten im Leben und nicht am Ende eines müde gewordenen Lebens kommt. Dann sind wir oft sprachlos, hilflos. Dann spüren wir, wie wenig wir der Trauer entgegenzusetzen haben. Der Dichter Wilhelm Bruners schreibt: „Der Tod macht sprachlos, das ist sein Triumph…“
Der November mit seinen verschiedenen Gedenktagen von Allerheiligen bis Totensonntag stellt sich dieser Sprachlosigkeit entgegen mit Worten, die über die Endgültigkeit des Todes hinausgehen: Auferstehung, ewiges Leben, Bei-Gott-Sein, Verwandlung. Und auch ‚In Frieden ruhen‘. Das sind keine Erklärungen und keine Lösungen, sondern Worte der Zuversicht und des Vertrauens. Sie stehen für das, was wir mit dem Verstand nicht begreifen können. Für uns Christen sind diese Worte nicht nur Trost, sondern Verheißung, dass Gott für uns sorgt über den Tod hinaus.
Es sind Worte, die auch dann noch gelten, wenn wir selbst keine mehr haben. Die auch die Sprachlosigkeit ertragen und uns etwas von dem Schrecken abnehmen, wenn der Tod vor der Tür unseres Lebens steht.
Gertrud Sivalingam, Pastoralreferentin
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 48.2025