Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,
das Evangelium des 22. Sonntags (Mt 16,21–27) liegt mir persönlich sehr am Herzen. In diesem Jahr blicke ich auf 10 Jahre als Priester zurück.
Als Primizspruch hatte ich mir damals aus der Weiheliturgie ein Versprechen gewählt: „Stelle Dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Mein Primizgewand, das mir meine Großeltern schenkten und das in Mariendonk erarbeitet wurde, greift genau dieses Motiv auf. Das Kreuz ist darin in Gold und Grün gehalten; braune Erdfarben erstrecken sich in Kreuzform über das Gewand. Die Theologie dahinter: Alles ist mit allem verbunden – alles steht unter dem Geheimnis des Kreuzes, das zum Baum des Lebens wird. Diese Zusage durfte ich in den vergangenen zehn Jahren immer wieder spüren. Nachfolge ist nicht immer einfach. Sie verlangt viel von uns – nicht selten auch in und an der Institution der Kirche. Doch Christi Nachfolge heißt eben auch, sich tief mit ihm zu verbinden, dunkle Wege mitzutragen und im Vertrauen darauf mitzuleiden, dass Gott daraus neues Leben wachsen lässt.
Mir hilft dieser Gedanke, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.
Es geht darum, hinter ihm zu gehen und dem Herrn die Führung zu überlassen.
Vielen Menschen ist dieser Gedanke heute fremd geworden. Manchmal bedrückt mich das, weil ich doch jedem von Herzen dieses Fundament wünsche: einen Halt zu finden, der ein Geheimnis bleibt, aber schon jetzt seinen schützenden und heilenden Schatten in unser Leben wirft.
Deshalb berührt mich in diesem Jahr auch die Gestaltung unserer Osterkerze so sehr – zeigt sie uns doch, wie das Kreuz Licht und Hoffnung in unsere Welt strahlt.
Das wünsche ich Ihnen für die kommenden Wochen: Nehmen Sie Ihr persönliches Kreuz auf sich, stellen Sie Ihr Leben unter sein Geheimnis und vertrauen Sie darauf, dass der Herr jeden Schritt mitgeht. Gehen Sie Ihren Weg voller Zuversicht!
Joachim Brune, Pfarrer
Auszug aus dem Wochenbrief Nr. 36.2026